26. Februar 2026
Zivile Krisenprävention und transatlantische Verantwortung – Eindrücke von der Münchner Sicherheitskonferenz 2026
In zahlreichen Debatten wurde deutlich, dass militärische Abschreckung allein nicht ausreicht, um Frieden und Stabilität langfristig zu sichern. Vielmehr rückten klassische Handlungsfelder der zivilen Krisenprävention in den Fokus: der Aufbau legitimer staatlicher Institutionen, soziale und wirtschaftliche Teilhabe, die Prävention von Gewalt sowie die Stärkung gesellschaftlicher Resilienz. Wiederholt wurde betont, dass ungelöste Entwicklungsdefizite, Ungleichheit und Perspektivlosigkeit zentrale Treiber von Konflikten sind – und, dass Prävention politisch wie finanziell deutlich stärker priorisiert werden muss.
Zusätzlich ist auch positiv anzumerken, dass die Rolle von Entwicklung als langfristiges sicherheitspolitisches Instrument eine wachsende Rolle auf der Konferenz gespielt hat. Ein Trend der sich unbedingt fortsetzten muss. Nicht zuletzt hat UNDP Administrator Alexander De Croo dafür plädiert Entwicklung nicht länger als ‘soft’ sondern ‘hard’ power zu behandeln. Auch Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Sicherheitskonferenz, forderte eine zukünftig noch stärkere Einbindung von entwicklungspolitischen Themen.
Ein zentrales Thema der Konferenz waren zudem die transatlantischen Beziehungen. In vielen Beiträgen schwang die Sorge mit, dass sicherheitspolitische Lasten unausgewogen verteilt und multilaterale Ansätze geschwächt werden könnten. Gleichzeitig wurde die Notwendigkeit unterstrichen, das transatlantische Bündnis nicht allein militärisch, sondern auch politisch und zivil zu erneuern – durch gemeinsame Investitionen in Krisenprävention, Stabilisierung und regelbasierte internationale Zusammenarbeit.
Auch die Grundsatzrede von Friedrich Merz direkt zu Beginn der Konferenz griff diese Perspektive auf: Sicherheit, so Merz, entstehe langfristig nur dort, wo staatliche Strukturen funktionieren und Konflikte frühzeitig politisch bearbeitet werden.
Ein wichtiges Signal für die Bedeutung inklusiver Friedensansätze setzte zudem das WOMEN100-Dinner, an dem die Beiratsmitglieder Julia Leininger, Melanie Hauenstein und Kira Vinke teilnahmen. Die Beiträge machten eindrücklich deutlich, dass Frauen für nachhaltigen Frieden zentral sind, in Friedensprozessen jedoch weiterhin zu selten systematisch eingebunden werden.
Die MSC 2026 machte damit deutlich: Eine zukunftsfähige Sicherheitsarchitektur erfordert das Zusammenspiel von militärischen, diplomatischen und zivilen Instrumenten. Zivile Krisenprävention ist dabei kein nachgeordnetes Politikfeld, sondern ein zentraler Baustein, um Eskalationen vorzubeugen, transatlantisches Vertrauen zu stärken und internationale Stabilität nachhaltig zu sichern.